Samstag, 1. Februar 2014

Tanzen ist seine Berufung: Angelo Adler

(übernommen und in den Blog gestellt von Frank Hattendorff)

AUTOR: HEINZ FRICKE
(Artikel aus dem Weser-Kurier vom 01.02.2014 – alle Rechte bleiben natürlich beim Weser-Kurier und dem Autor)
Hier der Link zum Original-Artikel im Online-Angebots des Weser-Kuriers:
http://www.weser-kurier.de/sport/bremen6_artikel,-Tanzen-ist-seine-Berufung-_arid,768718.html

Als Vorbild ist er einsame Spitze. Angelo Adler war viermal Welt- und siebenmal Europameister, von diversen deutschen Titeln ganz zu schweigen. Seit drei Jahren kümmert sich der frühere Weltklasse-Formationstänzer um den Nachwuchs des Grün-Gold-Clubs. Auch im Spitzensport mischt er noch mit – als Partner von Uta Albanese, der Cheftrainerin des Grün-Gold-B-Teams. Das gehört bekanntlich auch zu den weltbesten Formationen.
VON HEINZ FRICKE

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Bremen. Tanzen wollte er eigentlich schon immer. „Ich glaube, Dirty Dancing hat mir damals den ersten Kick verpasst“, sagt Angelo Adler. Der heute 36-Jährige sah den später zum Kult gewordenen Tanzfilm in seiner Heimatstadt Bremerhaven, kurz darauf gehörte er zur Kindertanzgruppe der TSG. Ein Glücksfall zweifellos, denn bei der TSG Bremerhaven formten Vater Erich und Sohn Horst Beer in den folgenden Jahren eine Turniertanz-Formation, die das Maß aller Dinge, erst in Deutschland und später auch in der Welt der Latein-Formationen, wurde.
Angelo Adler wurde größer und besser, stand bald in der A-Formation der Bremerhavener und holte seine ersten Titel. „Von 1995 bis 2010 habe ich Leistungssport betrieben, mit allen Konsequenzen“, erinnert er sich. Das hieß in der Praxis: Das Tanztraining ließ wenig Raum fürs Privatleben. „Von Montag bis Freitag, insgesamt neun Stunden, dann das komplette Wochenende“, beziffert er das Trainingspensum einer Weltklasse-Formation und ist überzeugt: „Formationstanzen auf höherem Niveau kostet noch mehr Zeit als Paartanztraining.“ Er muss es wissen: Auch als Einzeltänzer schaffte es Angelo Adler bis auf die höchste Stufe, die S-Klasse.
2009, einige Jahre nach dem Wechsel von Bremerhaven nach Bremen und fünfjähriger Tanzpause, stand er zum letzten Mal in der Grün-Gold-Formation.

Der Weltmeistertitel 2009 in der ÖVB-Arena war letzter Höhepunkt und Abschluss. „Den Tag werde ich nie vergessen, in allen Einzelheiten“, sagt er.

ab 08:42 Interview mit Angelo Adler! :-)

Doch er wollte weitermachen mit dem Tanzen, das stand für ihn schon immer fest. „Tanzen ist für mich so etwas wie eine Berufung“, sagt Adler.
Also engagierte er sich für die Nachwuchsarbeit in seinem Club, machte seinen C-Schein und in den nächsten Wochen auch den B-Schein. Doch in den letzten Jahren trug er bereits zum Boom bei, den der Grün-Gold -Club erlebte. Inzwischen gehören die Bremer mit mehr als 500 Mitgliedern zu den größten Tanzsport-Vereinen in Deutschland. „Ohne Angelo“, sagt sein Präsident Jens Steinmann, „wären wir weitaus schlechter dran. Auf seinen Schultern ruht die gesamte Nachwuchsarbeit im Formationsbereich.“
Die ist rapide gewachsen. Derzeit trainieren im Grün-Gold-Tanzzentrum in der Wandschneider Straße am Brill fünf bis sechs Formationen. Adler hat zudem maßgeblich zum Aufbau einer Außenstation des Vereins beigetragen. Auch im niedersächsischen Cloppenburg ist der Grün-Gold-Club Bremen inzwischen präsent, rund 80 Kinder und Jugendliche haben sich dort dem Tanzen verschrieben. „Die meisten haben russische Wurzeln, dort gibt es eine große Migranten-Szene“, erzählt Adler. Zumindest einmal die Woche fährt er nach Cloppenburg, regelmäßig kommen Cloppenburger Talente zum Training nach Bremen. Bei Turnieren ist der Trainer Angelo Adler meist dabei.
Das Engagement bei Grün-Gold summiert sich inzwischen auf etwa 30 Wochenstunden, das ist nicht ohne Einfluss auf den Beruf geblieben. Adler, hauptberuflich Abteilungsleiter in einem kaufmännischen Betrieb, hat sich mit der Firma arrangiert. Er arbeitet dort künftig nur noch 30 Stunden die Woche. Das ist womöglich nicht karrierefördernd, doch er akzeptiert es. „Ohne Tanzen würde mir im Leben etwas fehlen.“
Die Unentbehrlichen: Ohne sie geht meist nichts. Sie sind nahezu unersetzlich in ihren Klubs, ohne selbst an der Spitze zu stehen. Die Rede ist von den unzähligen Männern und Frauen in Bremer Sportvereinen, die in speziellen Funktionen tätig sind, mit denen ihr Name ganz eng verbunden ist. Übungsleiter, Trainer, Ideengeber, Idealisten, kurzum: Menschen, die etwas nachhaltig bewegen. Von ihnen erzählt diese Serie.

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